Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft Pflügen Moor am Schliffkopf Trockenstress bei Futterrüben

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Stadtböden - Bilder

Ein kleines Potpourri aus der städtischen Bodenwelt

Es lohnt sich, näher hinzuschauen, denn die Vielfalt von Stadtböden zeigt eine ebensolche Vielfalt an Eigenschaften. So ist nicht jeder Stadtboden automatisch nutzlos, verunreinigt oder muss einer Sanierung unterzogen werden.

 

Foto 1: 3 Meter Stadtgeschichte. Der tiefste Bereich des Ulmer Bodens reicht bis zu Beginn des 2. Jahrhunderts nach unserer Zeitrechnung zurück. Also wurde der fahlbräunliche und dunkelgraubraune Boden zu einer Zeit von den Flüssen Donau oder Blau angeschwemmt, als das neue Testament noch nicht zu Ende geschrieben war. Die darüber zu erkennende schwarzbraune Lage mit Kieseln war im Jahr 1000 ein Hofpflaster. Damals musste das reichen, damit die Ulmer bei Nässe nicht im Schlamm versanken. Der über diesem Laufhorizont abgelagerte Boden ist von mehreren dunklen Lagen durchzogen und auch mit weisen Kalksteinen sowie roten Ziegelstückchen versetzt. Dies bezeugt einen regen Hausbau, aber auch häufige Brände im 11. und 12. Jahrhundert. Die großen Ziegelbruchstücke darüber erinnern an das Ulm, dass im Zweiten Weltkrieg in Trümmern lag. Diese 3 Meter Stadtgeschichte sind also nicht so einfach zu lesen wie Geschichtsbücher, können aber noch viele Geheimnisse preisgeben. 

(© Foto & Text - Andreas Lehmann) 

 

Foto 2: Staunässeboden (Pseudogley) aus humosen Sanden, über Resten einer ehem. Halde der Steinindustrie (Quarzitabbau am Piesberg, Stadt Osnabrück) über einer ehem. wassergebundenen Wegedecke über einem ehem. Gleiskörper über einer eiszeitlichen Fließerdelage. Profiltiefe ca. 1 m. Die sehr dichten Schichten der ehem. Halde und Wegedecke verhindern eine schnelle Wasserversickerung. Dadurch staut sich das Wasser bei Regen bereits nach kurzer Zeit bis zur Oberfläche. Bei trockener Witterung dagegen leiden die Pflanzen schnell an Wassermangel, da sie den Boden nur bis zu den dichten Schichten durchwurzeln können. Auf solchen Standorten können sich für den Naturschutz interessante Pflanzengesellschaften etablieren.  

(© Foto & Text - Silke Höke)

                                                                                             

Foto 3: Ein junger Boden aus kalkarmen oder kalkfreiem Substrat (Regosol). Das Ausgangsmaterial ist aufgeschütteter, sandig-humoser Oberboden, mit Bauschutt vermischt. Darunter ist die Terrasse eines abgerissenen Offizierskasinos erkennbar. Unter der Steinplattenlage der Terrasse liegt ein begrabener Plaggenesch. Ein Plaggenesch ist ein anthropogener Boden, der durch eine jahrhundertelange Aufbringung von Plaggen geprägt ist. Dabei wurden Gras- und/oder Heideplaggen als Stalleinstreu verwendet und anschließend auf die hofnahen Felder aufgebracht. Der Plaggenesch überdeckt einen Podsol (nährstoffarmer Boden aus sandigem Ausgangsmaterial). Dieser Boden in seiner Gesamtheit zeigt exemplarisch, dass in den Stadtböden, durch Überdeckung, oft große Mengen an Humus auftreten.  

(© Foto & Text - Silke Höke)

  

Foto 4: Mit humosem Boden überdeckter Trümmerschutt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Altstadt von Hannover von den Trümmern geräumt und der Schutt in die nasse Aue neben dem Maschsee gekippt. Darauf wurden dann später das Niedersachsenstadion (die heutige AWD-Arena) und ein Sportpark errichtet. (Horizontbezeichnung von 1990!)

(© Foto & Text – Jürgen Schneider)
 
 
 

Foto 5: Ein junger Boden aus kalkarmen oder kalkfreiem Substrat (Regosol). Hier liegen Aschen mit Sandlagen gemischt über einem ehemaligem, gekappten Podsol vor (Gelsenkirchen Schalke).

(© Foto & Text - Wolfgang Burghardt & Silke Höke)

 

Foto 6: Ein junger Boden aus kalkarmen oder kalkfreiem Substrat (Regosol) im Kesselbachtal, Stadt Essen. In dem Areal ist es durch den früheren Kohlebergbau zu starken Geländeabsenkungen gekommen (ca. 2 m). Daher wurde ab etwa 1953 Lehm, (Klär)Schlamm, Bergematerial und Bauschutt in der Senke vermisch verkippt. Anschließend wurde die Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt. Dadurch wirkt der Oberboden von der Färbung her einheitlicher. Heute dient die Fläche als Grünanlage zur Erholung für die lokale Bevölkerung.

(© Foto Wolfgang Burghardt, Textquelle: Burghardt et al. 2000)

  

Foto 7: Ehemaliger Eisenbahndamm aus Schlacke im Landschaftspark Duisburg Nord. Durch die extremen Standorteigenschaften der Schlacke und die starke Hangneigung verlaufen die Bodenbildung und die Besiedlung durch Pflanzen an diesem Standort nur sehr langsam. Die Detailaufnahme zeigt die typische Schichtung, wenn heisses Gestein von einer Seite her schnell abkühlt.

(© Foto & Text Silke Höke / Lutz Makowsky / Bernd Steinweg)

 

 

Foto 8: Hochofenstückeschlacke (HOS)
Fundort: ehemalige St. Antony-Hütte in Oberhausen-Osterfeld; heute Industriemuseum des Landschaftsverbandes Rheinland.
Erläuterungen: Seit 1758 wurden an dieser Stelle Roheisen und weiterverarbeitete Eisenprodukte hergestellt. Die St. Antony-Hütte gilt als "Wiege der Ruhrindustrie". Urspünglich wurden die Hochöfen mit Holzkohle befeuert, wodurch die gezeigte HOS abweichend von den "modernen" HOS nicht die graue, sondern eine charakteristische blau-grüne Färbung und höhere Eisengehalte aufweist. Vereinzelt sind derartige HOS in Stadtböden zu finden. Sofern keine rezente Umlagerung erfolgte, ist eine mittelalterliche Industriegeschichte des Standortes zu vermuten.
Website St. Antony-Hütte: http://www.industriemuseum.lvr.de/schauplaetze/oberhausen/antony/

(© Foto & Text Bernd Steinweg / Lutz Makowsky)

 

Foto 9: Regosol aus reliktem Hortisol über fossilem Gley. Das Profil liegt in einer etwa 35 Jahre alten Kleingartenbrachfläche in Essen Dellweg. Für das Gebiet ist in der Karte von 1812/13 als Bruchwald verzeichnet. Die Fläche stand unter dem Einfluss vom Mühlenbach oder auch der Emscher. Ab 1894 erfolgte eine Weide und dann auch Kleingartennutzung.
Die heutige Grünanlage liegt benachbart der Zeche Prosper von 1874 und Christian Levin von 1856. Der Bergbau und auch der Bau des Emscherkanal (1903-1910) führten zu starken Grundwasserabsenkungen.  
 
(© Foto Wolfgang Burghardt, Textquelle: Burghardt et al. 2000A)
 
 

 

Foto 10: Junge Bodenbildung durch Staubeinträge in die kiesbedeckten Flachdächern der Universität Essen.  Die Staub- bzw. Feinbodenmenge liegt im Mittel bei 1,16 kg m-2 (min. 0,54 bis max. 2,31, extr. 4,84 kg m-2), was prozentual 2,1% (min. 0,5 bis max. 6,7%) entspricht, wodurch sich ein hoher Skelettanteil ergibt. Die Aufnahme mit dem Elektronenrastermikroskop zeigt beispielhaft das Feinsubstrat zwischen den Kiesen. Gut erkennbar ist eine rundes Ascheteilchen.

Dachstandorte mit hohem Exstaubanteil erfüllen Bodenfunktionen als Lebensraum für Bodenlebewesen (z.B. Lumbriciden und Collembolen) und höhere Pflanzen. Es konnten 97 verschiedene höhere Pflanzen auf den Flachdächern der Universität Essen bestimmt worden. Die limitierenden Faktoren für den Pflanzenbewuchs auf diesen extrem flachgründigen Standorten, sind die Feinbodenmenge und die Exposition sowie die daraus resultierende Wasserverfügbarkeit. 

(© Fotos Moritz Bigalke & Silke Höke, Textquelle Bigalke et al. 2005)
 

 

Foto 11: Regosol aus Gleisschottern und Stäuben über Aschen, carbonatischen Schlämmen und Steinkohlenberge. Die Schichten zeigen stark wechselnde Puffereigenschaften. Das Profil ist im Zuge der Baumaßnahmen der Köln-Mindener Eisenbahn um 1847 entstanden (Bahndamm Essen Dellweg).

(© Foto Wolfgang Burghardt, Textquelle: Burghardt et al. 2000A)
 

 

Foto 12: Sehr junger Boden (Syrosem / Pararendzina) aus aufgeschütteten, lehmigen ortsfremden Aushubmaterial. Darunter liegt noch gut erkennbar die rote Ascheschicht eines ehemaligen Tennisplatzes, über einer schwarzen Ascheschicht. Als Unterbau sind stark alkalische Schlacken verwendet worden. Unter diesen wiederum findet sich eine aufgebrachte Schicht mit gemischten Kanal- oder Bauaushubmaterial. Erst darunter kann man den natürlichen Boden erkennen. Das Profil liegt im nördlichen Stadtgebiet von Osnabrück.

(© Foto & Text – Silke Höke)
 

 

Foto 13: Ein ca. 30 Jahre alter „Schwefelsol“ aus Sand, Bauschutt und Schwefel. Das Profil liegt in Gelsenkirchen Schalke auf dem Gelände einer ehemaligen chemischen Fabrik. Durch die Schwefelanteile liegt der pH- Wert in diesem Profil bei ca. 1.

(© Foto & Text – Wolfgang Burghardt / Silke Höke)

 

 

Foto 14: Sehr junger Boden (Syrosem / Pseudogley) aus Verwitterungsmaterial einer kalkhaltigen Lagerplatzdecke. Darunter liegt umgelagertes natürlichem Bodenmaterial. Die rötlichen Eisenflecken im Bereich direkt über dem darunter folgenden schwarzen Asphaltband zeigen, dass dieses wasserstauend wirkt. Darunter ist erneut umgelagertes humoses Bodensubstrat erkennbar, ebenfalls mit rötlichen Flecken. Aus dieser Eisenfleckung lässt sich wieder ableiten, dass das folgende stark humose Bodenpaket darunter erneut das Wasser staut(e). Unter diesem ist ein scharf nach oben und unten begrenztes dreischichtiges Eisenband erkennbar, welches wiederum von einer Schicht von humushaltigem Bodenmaterial unterlagert wird. Dann sind die Reste des natürlichen Bodens sichtbar. Dieser Boden zeigt durch die anthropogenen Beeinflussungen mindestens 3 dichte Schichten, die verhindern, dass Wasser zügig in dem Boden versickern kann.
 
(© Foto & Text - Silke Höke)
 
 

Foto 15: Mächtige Akkumulation organischer Substanzen unter einem Birkenwäldchen über Ziegelbauschutt. Die Fläche liegt seit ca. 30 Jahren brach (Gelsenkirchen Schalke).

(© Foto & Text - Silke Höke)

Foto 16: Parabraunerde aus Sandlöss über Sandstreifenlöss auf der Fläche der ehemaligen Zeche Mont Cenis in Herne. Das Berliner Blau (Cyanid) enstand mit dem Betrieb der Kokerei.

(© Foto & Text - Sandra Gehrt)