Aktivitäten

Forschungsziele und Aktivitäten

 

Auf Grabungen werden häufig pedologische Befunde offengelegt, die in keinem Lehrbuch stehen und die neue Fragen zu Pedogenese und zu Mensch-Umwelt-Interaktionen aufwerfen. Dabei können wechselseitig archäologische wie pedologische Forschungsfragen im Vordergrund stehen.

Als erstes wissenschaftliches Ziel hat sich die Arbeitsgruppe vorgenommen, anhand der umfassenden Charakterisierung archäologischer Bodenreste aus archäologischen Befunden den Status prähistorischer Böden seit dem Neolithikum (Beginn vor etwa 7500 Jahren) zu rekonstruieren. Dabei kommen feldbodenkundliche Aufnahmen, mikromorphologische, bodenchemische und bodenphysikalische Methoden zur Anwendung, im fachlichen Austausch mit Archäologie, Archäobotanik und Anthropologie und weiteren Disziplinen.

  • Alljährliches Treffen auf einer aktuellen archäologischen Ausgrabung (Grabungsexkursion)
  • Beteiligung an den Tagungen der DBG
  • Beteiligung an archäologischen Fachtagungen
  • Initiierung und Publikation von archäologisch-bodenkundlichen Forschungsprojekten
  • Diskussionsforum zu archäopedologischen Fragen (siehe unten)

 

 

Exkursionen und Tagungen

 

Grabungsexkursionen der AG Boden und Archäologie
 
1. Grabungsexkursion (17.Juni 2011), Köthen (Sachsen-Anhalt), Befundfüllungen vom Neolithikum bis zur Römischen Kaiserzeit

2. Grabungsexkursion (13. Juli 2012), Forchtenberg (BW), Brand- und Anbau-Experimente zur neolithischen Brandwirtschaft

 

3. Grabungsexkursion (29. Mai 2014), Rheinische Lößlandschaft zwischen Aachen und Köln (mit dem AK Geoarchäologie)

4. Grabungsexkursion (10. Juli 2015), Bornhöck bei  Halle (Saale), frühbronzezeitlichen Grabhügel

5. Grabungsexkursion (3./4. Juli 2016), Marktbergel (West- Mittelfranken), Ausgrabungen im Gipskeuper

6. Grabungsexkursion (22.9.2016), Elsfleth,  kaiserzeitlich-völkerwanderungszeitlicher Ufermarkt in der Wesermarsch

 

B-A-T- Treffen des Landesamtes für Archäologie Sachsen in Leipzig (B-A-T = Boden-Archäologie-Taphonomie)
mit Grabungsexkursionen in Sachsen:

1. 21./22. März 2013, Eula
2. 17./18. Juli 2014, Drossdorf
3. 23./24. Juli 2015, Weißwasser

4. 13./14. Oktober 2016, Schleben-Crellenhain bei Mügeln

 

 

 

 

 

 

Grabungsexkursionen der AG Boden und Archäologie 

 

6. Grabungsexkursion (22.9.2016), Elsfleth, kaiserzeitlich-völkerwanderungszeitlicher Ufermarkt in der Wesermarsch

Flyer zur Grabungsexkursion

 

5. Grabungsexkursion (3./4. Juli 2016), Marktbergel (West-Mittelfranken), Ausgrabungen im Gipskeuper

 

Auf Einladung von Martin Nadler M.A., Leiter der Außenstelle Nürnberg des Bayerischer Landesamt für Bodendenkmalpflege und seinem Team, fand die Exkursion in das  west-mittelfränkische Gipskeupergebiet mit seinen archäologisch-bodenkundlichen Besonderheiten.

Für die Anreisenden gab es am Sonntag den 3. Juli ein „Vorprogramm“. Es wurde eine aktuelle Grabung in einem Steinbruch bei Mörlbach besucht. Hier finden sich auf einer Lößdecke (Parabraunerde) Reste von Häusern aus der ältesten Linearbandkeramik. Die Verfüllungen der Gruben wurden diskutiert (Verfüllungsmechanismen, schwarze Grubenfüllungen, Lessivierungen in Befunden). Die frühneolithischen Bodenreste in den tieferen Lagen der Verfüllungen weisen bereits ganz ähnliche Eigenschaften auf wie die heutigen Parabraunerden in der Umgebung.

Das Hauptthema der Exkursion, die Gipskeuperfundstellen kam am Montag den 4. Juli. zum Zuge. Es wurden zwei laufenden Grabungen im Gipskeuper (Marktbergel und Lenkersheim) besucht. Der Fokus der intensiven Diskussion lag auf den sehr spezifischen bodenkundlichen/archäologischen Herausforderungen. So führt die stete Absenkung der Dolinen zu  mächtigen Füllungen mit z.T. umfangreichen archäologischen Stratigraphien (ab dem Mesolithikum). In den Dolinen sind ganze „Laufschichten“ mit Steinlagen erhalten. Durch die stete Absenkung kommt neben den Artefakten auch der humose Oberboden aus urgeschichtlicher Zeit in die Dolinen und erhält sich dort mit annähernd originären Eigenschaften weit unterhalb der rezenten Verwitterungsfront. 

   

 

4. Grabungsexkursion (10. Juli 2015), Bornhöck bei Halle (Saale), frühbronzezeitlicher Grabhügel

 

Im Schwarzerdegebiet bei Bornhöck, südlich von Halle  wurde die Relikte eines frühbronzezeitlichen Grabhügels (ca. 1.900 v. Chr.) freigelegt. Hier konnte die Schwarzerde außerhalb des Grabhügels und der begrabene Boden unterhalb des Grabhügels verglichen werden. Die bodenkundliche Einführung übernahm Dr. Wolfgang Kainz vom Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt, die Archäologie erklärte der Grabungsleiter Dr. Thorsten Schunke vom Landesdenkmalamt Sachsen-Anhalt. Die bodenkundlich-archäologischen Phänomene wurden von der Gruppe im Hinblick auf Genese, Archäologie, Geochemie und Archäobotanik diskutiert.

 

 

 

 

 

3. Grabungsexkursion (29. Mai 2014), Rheinische Lößlandschaft zwischen Aachen und Köln (gemeinsam mit dem AK Geoarchäologie)

 

 

An der Tagung des AK Geoarchäologie vom 29.-31. Mai 2014 an der RWTH Aachen (Organisation: Frank Lehmkuhl, Eileen Eckmeier und Renate Gerlach)  beteiligten sich auch die  AG Boden und Archäologie. Vor allem die Exkursion zu Ausgrabungen in den rheinischen Lößbörden widmete sich archäopedologischen Themen.  Bei einer frühmesolithischen  Feuchtbodengrabung ging es um die Geschichte der Feuchtböden in den rheinischen Lössbörden.  Nach einer frühholozänen Phase bildeten sich erst wieder infolge der starken Rodungen seit der jüngeren Eisenzeit etliche Anmoorgleye und Niedermoore in der Lösslandschaft neu. Ein weiteres Thema waren die  vormals als Schwarzerderelikte angesehenen dunklen Verfüllungen neolithischer Befunde. Besucht wurde auch der Braunkohletagebau Inden. 
 
  

 

 

 

2. Grabungsexkursion (13. Juli 2012), Forchtenberg (B.-W.), Brand- und Anbau-Experimente zur neolithischen Brandwirtschaft 

 

Vorführung des Brand- und Anbauexperimentes zur neolithischen Brandwirtschaft in einem Forst bei Forchtenberg (Hohenlohe, B.-W.) und Diskussion der bodenkundlichen-archäologischen Implikationen (Feuer und Schwarzerdegenese?). 

Nähere Informationen unter www.wald-feldbau.de

    

 

1. Grabungsexkursion (17.06.2011), Köthen (S.-A.), Befundfüllungen vom Neolithikum bis zur Römischen Kaiserzeit

Archäopedologische Phänomene auf einer Grabung in einem (Braunerde-)Schwarzerdegebiet

 

  

 

zum Bericht:

 

 

 

 

 

B-A-T Treffen des Landesamtes für Archäologie Sachsen in Leipzig (B-A-T = Boden-Archäologie-Taphonomie) mit Grabungsexkursionen in Sachsen

 

4. B-A-T Treffen 13./14. Oktober 2016, Schleben-Crellenhain bei Mügeln

 

Mittlerweile zum 4. Mal fand das BAT-Treffen (Boden-Archäologie-Taphonomie) von Geowissenschaftlern und Archäologen in Sachsen statt. Bei herbstlich kühlem Wetter trafen wir uns am Donnerstagnachmittag, den 13. Oktober, im Tontagebau Schleben-Crellenhain bei Mügeln in Mittelsachsen. Dort organisiert das Landesamt für Archäologie Sachsen seit 2011 jährliche Grabungen im Vorfeld des Abbaus. Grabungsleiter Germo Schmalfuß führte die 15 Personen starke Gruppe zu zahlreichen jungbronzezeitlichen Befunden, anhand derer spannende Diskussionen zur Verfüllungsgeschichte und der pedogenen Überprägung der Archäosedimente geführt wurden. In einer zum Tal der Döllnitz nach Süden abfallenden Mulde konnte eine gut entwickelte Löss-Parabraunerde in Augenschein genommen werden, die unter zwei Kolluvien begraben war.

Am nächsten Vormittag versammelten sich alle Teilnehmer südlich von Leipzig in einer Werkhalle in Großstolpen, in der derzeit ein linienbandkeramischer Brunnen aus dem Abbaufeld Peres des Braunkohlentagebaus Vereinigtes Schleenhain ausgegraben wird. Die begleitende Ausstellung und die laufende „Ausgrabung unter Laborbedingungen“ sorgten für angeregte Diskussionen zur Bautechnik und den Archäosedimenten aus der Verfüllung. Abgerundet wurde das Programm durch einen Vortrag von Mechthild Klamm über „Phytolithe“, der die Möglichkeiten und Grenzen dieser Methode bei der Erkennung und Auswertung archäologischer Befunde aufzeigte.

 

3. B-A-T Treffen 23./24. Juli 2015, Weißwasser

Am 23. Juli 2015 luden Dr. Christian Tinapp und Dr. Harald Stäuble vom Landesamt für Archäologie Sachsen zum 3. Treffen nach Weißwasser (Oberlausitz) ein. Carmen Liebermann und Andrea Renno (Landesamt für Archäologie Sachsen) führten durch die Ausgrabung im Vorfeld des Tagebaus Reichwalde. An mehreren Standorten konnten neben den sandigen Böden und den entsprechend sandigen Füllungen archäologischer Befunde auch die ausgedehnten Dünenfelder der Muskauer Heide und die mächtigen Torfe im ehemaligen Koppenteich besichtigt werden.

 

2. B-A-T Treffen 17./18. Juli 2014, Drossdorf

 

Vom 17. bis 18. Juli  lud das Landesamt für Archäologie in Sachsen die AG Boden und Archäologie  zum zweiten Treffen „Boden, Archäosedimente und Taphonomie“ nach Leipzig ein.  Die Organisatoren Harald Stäuble und Christian Tinapp erläuterten zusammen mit Kollegen und Kolleginnen von der Universität Leipzig archäopedologische Phänome auf der  Ausgrabung der bandkeramischen Siedlung bei Drossdorf am Rande des Tagebau Vereinigtes Schleenhain.  Die Analyse von Befundfüllungen erbrachte u. a. deutliche Hinweise darauf, dass die ersten Bauern bereits vor 7.500 Jahren eine pseudovergleyte Parabraunerde vorgefunden haben müssen, ähnlich der, die heute dort existiert. Ein Vortragsblock ergänzte die Exkursion.

 

 

1. B-A-T Treffen 21./22. März 2013, Eula

 

Am 21. und 22. März 2013 trafen sich Archäologen, Bodenkundler, Geoarchäologen und Physische Geographen zum ersten Arbeitstreffen der B-A-T Gruppe des Landesamtes für Archäologie Sachsen in Leipzig.Im Vorfeld des Neubaus der BAB 72 von Chemnitz nach Leipzig finden derzeit Grabungen bei der Ortschaft Eula statt. Dort wurden auf dem langgezogenen, südexponierten Talhang des Eula-Baches neben anderen Überresten Teile einer jungbronzezeitlichen Siedlung entdeckt. Die Gruben sind in elsterzeitliche Schmelzwassersande und eine nur etwa einen halben Meter mächtige äolische Decke eingegraben worden. Verschiedene archäologische Befunde konnten im Planum sowie im Anschnitt begutachtet werden. Direkt am Objekt ergaben sich rege Diskussion zu  Verfüllungsprozessen in den Gruben und deren bodenkundlichen Überprägungen. 

 

 

 

 

Teilnahme an Tagungen
 

83. Tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung, Münster, 18.-21.09.2016

Programm

 
Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, München, 5.-10.09.2015
 

8. Deutscher Archäologiekongress, Berlin, 6.-10.10.2014

Link, Programm

 
 
Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, Rostock, 7.-12.09.2013
 
 
3. Internationale Schöntal Konferenz, 11.-15.07.2012

Link

 
 
7. Deutscher Archäologiekongress, Bremen, 3.-7.10.2011

 

 

Diskussionsforum: Archäopedologische Phänomene auf Grabungen

 

 

In dieser Bildergalerie sollen immer wieder archäopedologische Phänomene aus Grabungen und die daraus resultierenden Fragen vorgestellt und zur Diskussion gestellt werden. Wer etwas zu den Phänomenen weiss oder selbst entsprechende Befunde beobachtet hat, bitte

 

 

hier melden.

 

 

Senden Sie uns ihre Fragen und Antworten oder Fotos zu weiteren Befunden und Beispielen zu, wir stellen sie auf dieser Seite zur Diskussion.

PDF: /de/system/files/AG_Boden%20und%20Archaeologie/Bildergalerie/Diskussionsforumx.pdf

 

1. Können Bodenbildungsprozesse innerhalb archäologischer Befunde bei der Datierung helfen?

 

Verbraunung, Lessivierung, Illuviation und Redoximorphose verändern auch die Verfüllungen von archäologischen Befunden. In Parabraunerdelandschaften findet man häufig charakteristische Gefügebildungen und vor allem Färbungen in den Füllungen, nach denen tatsächlich vorläufig datiert werden kann: Neolithisch = schwärzlich-dunkel, deutlich tonangereichert, Metallzeitlich = grau, Römisch = hellgrau, Mittelalterlich/Neuzeitlich = graubraune Füllung ohne Gefügebildung.  

 

Andererseits maskieren intensive pedogenetische Prozesse die Grenzen der Befunde und ehemaligen Verfüllungsstrukturen bis zur Unkenntlichkeit.

 

Wer hat dazu weitere Beispiele und welche archäologischen Epochen sind davon betroffen?

 

Dunkle, tonangereicherte Verfüllung einer neolithischen Schlitzgrube. Die oberen Grenzen und Verfüllungsstrukturen sind durch postneolithische Ton-Humus-Illuviation (Bht-Bildung) vollständig überprägt worden. (Düren, Rheinland, Löss)

 

 

 

Obere Verfüllung eines römischen Brunnenschachtes (oberhalb des Grundwasserstockwerkes). Die Verfüllungssedimente haben eine hellgraue Färbung und weisen deutliche redoximorphose Merkmale auf. (Mönchengladbach, Rheinland, Löss)

 

 

 

Nur wenige Meter entfernt auf gleicher Höhe lag ein neuzeitlicher Mergelschacht. Die Verfüllung weist keinerlei pedogene Überprägung auf, die Grundfarben der Einfüllung entsprechen den heutigen A- und B-Horizonten der umgebenden Parabraunerde. (Mönchengladbach, Rheinland, Löss)

 

 

2. Gibt es pedologische Hinweise, um "Rätselbefunde" der Archäologie zu erklären?

 

 

Nicht alle Gruben- und Grabenstrukturen sind in ihrer Funktion geklärt. Zu den prominentesten Beispielen solcher "Rätselbefunde" zählen u. a. Schlitzgruben und Grubenreihen.

 

Schlitzgruben sind schmal und tief und auf flächigen Grabungen mit neolithischem Kontext lassen sie sich häufiger in regelrechten Clustern beobachten. Ihr genaues Alter und ihre Funktion ist trotz der einmaligen Merkmale umstritten. Aktuell wird deren Bedeutung im Zusammenhang mit dem Jagdwesen erörtert.

 

 

Schlitzgrube, vermutlich neolithisch (Mönchengladbach, Rheinland, Löss)

 

Die in Mitteldeutschland in den letzten beiden Jahrzehnten auf flächig ausgedehnten Ausgrabungen häufig dokumentierten Grubenreihen ("Pit alignments") dienten möglicherweise der Landgliederung. Die wenigen Funde aus den Gruben deuten auf ein bronze-/eisenzeitliches Alter (ca. 3200-2600 Jahre alt). (Internetseite des Landesamtes Sachsen-Anhalt

 

 

www.lda-lsa.de, Fund des Monats 2010, T. Schunke: Ein Netz in der Landschaft - das Rätsel der Bronze- und  eisenzeitlichen Grubenreihen).

 

Die Untersuchung von Verfüllungen kann u. a. Hinweise liefern auf die Herkunft des Materials und damit zumeist auf den Zustand der Umgebung: z. B. Dorfnähe, Acker, Weide, Wald.

 

Geeignete Methoden hierzu sind bodenchemische Analysen und Mikromorphologie.

Mangels archäologischer Funde ist auch das Alter derartiger Befunde umstritten. Hier kann die Anwendung der Lumineszenzdatierung weiterhelfen.

 

 

 

 

Grubenreihe (bronze-eisenzeitlich) bei Oechlitz (Sachsen-Anhalt, Löss)

 

 

3. Natürlicher Boden oder Artefakt?

 

 

Begrabene dunkle fBht-Horizonte sind im Rheinland immer mit Grubenbefunden vergesellschaftet. Der Zusammenhang zwischen Horizont und Grube ist nur anhand ausreichend großer Profile erkennbar. Diese Beobachtung hat maßgeblich dazu geführt in den fBht-Horizonten nicht die Relikte einer Schwarzerdevergangenheit zu sehen, sondern vielmehr die Produkte einer prähistorischen Landwirtschaft (siehe Gerlach et al. 2006, Geoderma 136: 38-50).

 

Wo treten solche Zusammenhänge zwischen begrabenen dunklen Bodenhorizonten und Gruben noch auf?

  

 

 

Unter einem Kolluvium hat sich ein dunkler fBht-Horizont mit aufgehelltem fAl-Horizont am Top erhalten. Der Horizont geht nach einigen Metern in eine Grube (rechts) über, deren Füllung ebenfalls durch einen fAl-fBht-Komplex geprägt ist (Düren, Rheinland, Löss). Markiert sind Probennahmepunkte für die Lumineszenzdatierung.

 

 

4. Begrabene prähistorische Böden unter archäologischen Aufschüttungen

 

Obertägige archäologische Objekte, wie Grabhügel oder Wallanlagen, konservieren die überdeckten Böden zum Zeitpunkt ihrer Bedeckung. Die Analyse begrabener Böden ermöglicht daher die Rekonstruktion des Bodenzustandes zum Zeitpunkt der Überdeckung und ermöglicht somit wertvolle Erkenntnisse zur Bodenentwicklung.

 

 

Unter dem neolithischen/bronzezeitlichen Grabhügel von Memleben (Sachsen-Anhalt, Sandlöss) erhielt sich eine humusreiche Braunerde, durch spätere Bewaldung hat sich der Humushorizont fleckig aufgehellt.

 

Wenige Meter ausserhalb des Grabhügels hat sich auf demselben Ausgangssubstrat bis heute eine lessivierte Braunerde-Fahlerde entwickelt (siehe Klamm/Kainz, Mitt. DBG 110/2, 493-4).

 

 

5. Grubenverfüllungen als pedologisches Archiv

 

 

Einfüllschichten in Gruben oder Gräben bestehen aus dem verworfenen Oberboden der damaligen Zeit und sind häufig noch mit dem damaligen Unterboden vermischt. Solche Bodenreste - zumal wenn sie tief vergraben und durch jüngere Bodenentwicklungen nicht überprägt sind - eigenen sich hervorragend zur Untersuchung prähistorischer Bodeneigenschaften.

 

 

 

Einfüllschichten in einer neolithischen Grube bei Prießnitz (Sachsen-Anhalt, Löss), bestehend aus dem dunklen neolitihschen Oberboden und dem damaligen Unterboden (helle Einfüllschichten).

 

 

6. Stoffverlagerungen und lokale Bodenbildungen unterhalb von archäologischen Befunden

 

Etliche archäologische Befunde werden durch Stoffverlagerungen (z. B. Oxidationsbänder) oder durch eigene lokale Bodenbildungszonen (Bv-Horizonte) nachgezeichnet. Wie stellen sich solche Phänomene bei unterschiedlichen Böden und Ausgangssubstraten dar? Gibt es zeitlich differenzierte Ausprägungen?

 

 

Der helle Streifen in der Mitte des Profils ist das Produkt einer lokalen Pseudovergleyung unter einer ehemaligen römischen Strasse. Der Schotterkörper der Strasse war bereits abgetragen - nur noch wenige Kiese im Ap-Horizont deuteten den Strassenkörper an. Erhalten hatte sich aber die helle, pseudovergleyte Verdichtungszone im Untergrund. Dadurch war die ehemalige Trasse im Grabungsareal auf ganzer Länge und Breite dokumentierbar. (Baesweiler, Rheinland, Löss)

 

Bänderförmige Eisen-Humus-Verlagerung, lokal ausgeprägt im Bereich eines ca. 5000 Jahre alten neolithischen Grabes. Die Bänder sind nach der Anlage des Grabes entstanden. Deren deutliche Ausprägung deutet auf einen Stofftransport aus einer Auflage (Überhügelung des Grabes?) hin, die heute nicht mehr vorhanden ist. (Osterburg, Sachsen-Anhalt, Sand)

 

 

Eine autochthone Verbraunungszone zeichnet die Konturen der schwarz verfüllten bandkeramischen Grube nach. Darunter folgt der unverbraunte Löss. (Düren, Rheinland, Löss)

 

 

Detailaufnahme: Verlagerung von tiefschwarzen Ton-Humus-Komplexen in Grobporen und Rissen unterhalb einer neolithischen Grube. (Prießnitz, Sachsen-Anhalt, Löss)

 

 

 

An der Basis einiger Siedlungsgruben innerhalb eines ausgedehnten mehrperiodigen Siedlungsareals wurden helle Kalkkonkretionen festgestellt, die aber keine klassischen "Lösskidl" sind, sondern anthropogen bedingte Kalkausfällungen. Welche Tätigkeiten hat der prähistorische Mensch dort durchgeführt? (Karsdorf, Sachsen-Anhalt, Löss über Schwemmsand)

 

 

 

 

7. Polygonalrisse: Glazial bis subrezent

 

Desöfteren sind im Untergrund, aber auch in archäologischen Grubenbefunden, Risse zu erkennen, die mit andersartigem Bodenmaterial gefüllt sind. Denkbar ist eine Erklärung durch Austrocknung, im letztglazialen Löss durch "Gefriertrocknung", in den holozänen Befunden im Zusammenhang mit heissen, trockenen Sommern. Durch das Alter der archäologischen Befunde ergeben sich Hinweise auf das Alter der Strukturen, die die Befunde überprägen und daher jünger sein müssen.

 

 

 

 

Glaziales Polygonalnetz in Löss der letzten Kaltzeit (Rheindahlen, Rheinland, Löss)

 

 

 

Polygonalnetz in einer bandkeramischen Grube, somit jünger als 7000 Jahre (Düren, Rheinland, Löss)

 

Polygonalnetz in einem römischen Graben (heller Streifen), somit frühestens vor ca. 1800 Jahren entstanden (Bergheim, Rheinland, Löss)

 

 

 

Literatur

 

 

Literaturlisten von Frau Pietsch und Herrn Deppe, zu verschiedenen geoarchäologischen Themen, Vielen Dank dafür!

 

 

Herr Deppe:

/de/system/files/AG_Boden%20und%20Archaeologie/Literaturverzeichnis_zu_tiefreichend_humosen_Boeden_16042014.pdf

 

Frau Pietsch: 

 

/de/system/files/AG_Boden%20und%20Archaeologie/Bibliography%20B&A.pdf