Porträt

Urbane Böden - Geschichte der Arbeitsgruppe

 

Vorgeschichte

Städte schienen für die Bodenkunde lange uninteressant. Entweder wurden sie aufgrund ihrer heterogenen Bodenzusammensetzung als nicht kartierbar oder aufgrund junger Ablagerungen als frei von Bodenbildungen angesehen. Dies änderte sich in den 1970iger Jahren. Weltweit ist in dieser Zeit das Auftauchen bodenkundlicher Projekte zu beobachten, u.a. in Washington DC (Smith 1976), Perth (Andrews 1971), Berlin (Blume 1981), Halle (Billwitz & Breuste 1980). Westberlin nahm dabei eine besondere Stellung ein, da es von der DDR eingeschlossen war. Westberlin war dadurch gezwungen, die Ressourcen, die sonst das Umland zur Verfügung stellte, innerhalb der engen Stadtgrenzen zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen begann H.-P. Blume mit einer Arbeitsgruppe die Böden Westberlins zu untersuchen (Blume 1981). Herausragende Ergebnisse sind die Exkursionen auf der Tagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG) 1981 in Berlin und die Stadtbodenkarte 1:50.000, Berlin-West (Grenzius & Blume 1983).

In der BRD zeigte sich erst Mitte der 1980iger Jahre ein stärkeres Interesse an Stadtböden. Die Initiative zur Gründung eines Arbeitskreises Stadtböden (AKS) in der DBG wurde durch W. Burghardt ergriffen. Es lag nahe, seinen an der Universität-GH Essen neu geschaffenen Lehrstuhl für Angewandte Bodenkunde im Ballungsraum Ruhrgebiet stadt- und industriebodenkundlich auszurichten. Die Ergebnisse der ersten Untersuchungen waren derart, dass sich W. Burghardt nach Kolleg(-inn)en umsah, die ebenfalls schon an Stadtböden arbeiteten oder arbeiten wollten. Dies war der Anstoß zur Gründung des Arbeitskreises Stadtböden (Böden urban, gewerblich, industriell überformter Flächen). Ein erstes Treffen erfolgte am 4./5. Juni 1987 an der Universität-GH Essen. Auf der Jahrestagung der DBG in Stuttgart-Hohenheim wurde am 7./8.09.1987 der AKS von der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft bestätigt (Vorsitz: Wolfgang Burghardt; stellvert. Vorsitz: Wolfram Kneib).  

 

Geschichte des Arbeitskreises Stadtböden

Die Arbeit des AKS war zunächst von der Notwendigkeit geprägt, die verschiedenen Typen von Stadtböden und deren Merkmale zu erfassen. Daher wurde der Arbeitskreis in der DBG-Kommission V – Bodengenetik, Klassifikation und Kartierung eingerichtet. Das erste Ziel war die Erarbeitung eines Vorschlages zur Stadtbodenkartierung. Dem Kreis war bewusst, dass die Bodenkunde in der Stadt nur Fuß fassen kann, wenn die Ergebnisse für städtische Aufgaben verwertbar sind, vor allem für die Bauleitplanung. Entsprechend setzten sich die Mitglieder aus Mitarbeitern der Geologischen Landesämter, aus privaten für die Städte arbeitenden Büros und aus den Hochschulen zusammen.Als erstes wesentliches Ergebnis konnten 1989 in den UBA-Texten 18/89 die "Empfehlungen des Arbeitskreises Stadtböden der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft für die bodenkundliche Kartieranleitung urban, gewerblich und industriell überformter Flächen (Stadtböden)" veröffentlicht werden. Der Kreis fand das Interesse des Umweltbundesamtes. Durch dessen Förderung wurde er leistungsfähiger. Diese Arbeit wurde begleitet vom Büro für Bodenbewertung, Kiel, das dem Kreis auch als koordinierendes Büro dient. Diesen Umständen ist die in Deutschland weite Verbreitung stadtbodenkundlicher Arbeiten mit zu verdanken. Besondere Schwerpunkte der Arbeit waren der Planungsbezug, Fallbeispiele, Durchführung der Stadtbodenkartierung, Merkmale der Stadtböden, Feldmethoden, abgeleitete Merkmale und Schätzgrößen, die Regionalisierung und besonders die Kennzeichnung und Merkmale von technogenen Substraten. Damit wurde es möglich, noch nicht oder nur gering entwickelte Böden in die Kartierung einzubeziehen und die weißen Flächen in Bodenkarten der Stadt verschwanden.Der nächste Schritt zur Entwicklung der Stadtbodenuntersuchung war die Begleitung des Verbundprojektes des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie zum Thema "Bewertung anthropogener Stadtböden" durch den AKS. Das Projekt wurde koordiniert durch Blume & Schleuß (Blume & Schleuß Hrsg. 1997). Ziel des Verbundprojektes war die Verbesserung der Kenntnisse über Böden technogener Substrate und Mischungen von natürlichen und technogenen Substraten hinsichtlich ihrer Genese, Klassifikation, Ökologie, Funktionen und ihres Verteilungsmusters. Die Arbeiten erfolgten in den Städten Eckernförde, Halle, Kiel, Rostock und Stuttgart. Hieraus entwickelte der Kreis den Feldführer der 2. Auflage (1997) der "Empfehlungen des Arbeitskreises Stadtböden der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft für die bodenkundliche Kartieranleitung urban, gewerblich, industriell und montan überformter Flächen (Stadtböden)". Am 17. März 1998 wurde das Bundes-Bodenschutzgesetz (BGL. I. S. 502) und am 12. Juli 1999 die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung erlassen. Daraus ergeben sich Aufgaben an die Stadtbodenkartierung. Dies heißt vor allem, dass die Funktionalisierung von Merkmalen der Stadtböden und parallel dazu die Entwicklung von Leitbildern der Bodenbestände in der Stadt vorangetrieben werden muss. In den Empfehlungen für eine Kartieranleitung Stadtböden des Jahres 1997 sind bereits Merkmale für diese Aufgaben aufgenommen worden. Daneben erfolgte die Begleitung der Bearbeitung der "Empfehlungen für die Kartieranleitung Stadtböden" für eine Eingliederung in die 5. Auflage der Bodenkundlichen Kartieranleitung der GLÄ und der BGR und in das "Handbuch der Bodenuntersuchungen" des DIN-NAW.

Quelle Wolfgang Burghardt & Wolfram Kneib 

 

Geschichte der Arbeitgruppe Stadtböden

Durch Umstrukturierungen in der DBG wurde der Arbeitskreis Stadtböden zum 01.01.2009 in die Arbeitsgruppe Stadtböden überführt. Die Zugehörigkeit zur Kommission V bleibt bestehen. Auf der Arbeitskreissitzung Stadtböden in Hannover am 16.02.2007 kündigten Wolfgang Burghardt und Wolfram Kneib nach 20 jähriger Leitung des AKS an, dass Sie diese Aufgabe abgeben möchten. Auf der Sitzung wurden dann Silke Höke und Birgit Kocher als neue Vorsitzende und neue stellvertretende Vorsitzende gewählt - und später vom Vorstand der DBG bestätigt.